Start „Etwa alle 30 bis 45 Sekunden landet hier ein Hausnotruf“, berichtet das DRK Herten
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08.08.2012 Comments: 0

„Etwa alle 30 bis 45 Sekunden landet hier ein Hausnotruf“, berichtet das DRK Herten

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In der Zentrale des Deutschen Roten Kreuzes in Herten landen die Hausnotrufe – unter anderem aus Herne, Herten und Recklinghausen. „Wir sind die zweitgrößte Hausnotrufzentrale des DRK in Deutschland“, sagte Hertens DRK-Chef Ralph Hoffert und fügte hinzu: „Nachts sind wir sogar die größte, denn dann kommt noch Mecklenburg-Vorpommern dazu.“

Mecklenburg-Vorpommern? „Ja, ja“, antwortete Hoffert, „wir haben die entsprechende Technik dafür.“

Das DRK Herten ist dank der besagten Technik (Neupreis: rund 120.000 Euro) quasi eine Spinne im Netz, denn der Hertener Einzugsbereich von insgesamt 21.000 Hausnotruf-Schaltungen erstreckt sich über den Kreis Recklinghausen, Herne, Gelsenkirchen, Bochum, Witten, Unna, Ostwestfalen-Lippe und Nordhessen bis nach Baden-Württemberg – und nachts eben auch nach Mecklenburg-Vorpommern (wo 3000 Schaltungen dazu kommen).

„Etwa alle 30 bis 45 Sekunden landet hier ein Hausnotruf“, erläutert Hoffert – schränkt aber ein: „Wir selber betreuen rund 7000 Notruf-Aufschaltungen – die anderen gehen per Internet weiter zum Beispiel nach Bochum, Kassel, Korbach, Bielefeld, Mainz oder Stuttgart.“ Dort gibt es – von Herten ausgelagerte – Arbeitsplätze, wo sich dann jemand vor Ort um die Notrufe kümmern.

Wobei: Längst nicht jeder Hausnotruf ist auch ein tatsächlicher Notruf. Etwa 60 Prozent sind so genannte „ungewollte Anrufe„. Die Teilnehmer tragen einen Druckknopf am Handgelenk, und wenn der getätigt wird, stellt eine Basisstation in der Wohnung sofort eine Telefonverbindung mit dem DRK in Herten her. „Und wenn zum Beispiel der Enkel mit dem Handknopf spielt, dann haben wir gleich Kontakt miteinander“, sagte Benjamin Loick, der Leiter der Hausnotruf-Zentrale in Herten.

In 20 Prozent der Fälle antwortet der Teilnehmer laut Benjamin Loick mit Worten wie: „Ich habe nicht gedrückt.“ Wenn man dann nachfrage, ob sonst alles in Ordnung sei, dann sprudele es oft aus den Leuten heraus. „Dann quatschen wir auch mit“, sagte Loick, „wir verfolgen mit diesem System ja auch einen sozialen Anspruch.“ In 10 Prozent der Fälle ist ein Teilnehmer gestürzt (oft bei der Morgentoilette oder nachts beim Gang zum WC), und in den restlichen 10 Prozent geht es um internistische Probleme wie Atemnot, Erkrankungen oder Platzwunden.

Sobald der Hausnotruf in Herten eintrifft, erscheinen auf dem Monitor der DRK-Mitarbeiter (tagsüber drei, nachts ein bis zwei) sämtliche relevanten Daten des Hausnotruf-Teilnehmers wie Adresse, Wohnsituation, Diagnosen (Diabetes etc.), verschriebene Medikamente, Hausarzt und Pflegedienst bis hin zu hinterlegten Dokumenten wie Patientenverfügungen. Des weiteren erscheinen Adressen von Bezugspersonen (Nachbarn, Verwandte), die zusätzlich benachrichtigt werden können. „Und wenn beim DRK ein Schlüssel hinterlegt ist, dann rückt – im Falle eines Falles – der DRK-Fahrdienst in der entsprechenden Stadt aus. Das Telefonat halten wir dann solange aufrecht, bis unsere Leute vor Ort eingetroffen sind“, sagte Ralph Hoffert.

Selbst wenn jemand im Badezimmer gestürzt ist und die Basisstation im Wohnzimmer steht, ist eine Sprech- und Hörverbindung möglich. Bis 90 qm reicht die Leistungsstärke dieser Station – „auch bei geschlossenen Türen“ (Hoffert). Die Teilnahme am DRK-Hausnotruf kostet monatlich 18,36 Euro, die bei einer anerkannten Pflegestufe des Betreffenden von der Krankenkasse übernommen werden. Wer per Schlüssel-Hinterlegung den DRK-Fahrdienst mitbucht, zahlt 41,90 Euro, von denen 18,36 Euro – im Falle einer Pflegestufe – die Krankenkasse trägt.

Das Deutsche Rote Kreuz arbeitet derzeit an einer Ausweitung des Systems auf mobile Notrufe. „Mit bestimmten – GPS-fähigen – Handys ist das heute schon möglich. Dann kann der Betreffende per Handy auch direkt geortet werden“, so Hoffert. Im Herbst 2012 will das DRK eine entsprechende App herausbringen.

Text: Günter Mydlak

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